Historischer Überblick über die
deutsch-marokkanischen Beziehungen
Die bilateralen Beziehungen zwischen Marokko und Deutschland gehen auf den
Anfang des XVI. Jahrhunderts zurück. 1506 wurden Handelsniederlassungen in
Safi, von den “Weslern“ und der “Fuggern“ gegründet.
Ein deutsches Truppenkontingent hat 1578 an der Seite des Königs Sebastian
von Portugal an der berühmten „Schlacht der Drei Könige“ in der Umgebung der
Stadt Ksar-El-Kébir im Norden Marokkos teilgenommen.
Von 1781 an wurden Verhandlungen, für den Abschluss eines Handelsvertrages
zwischen Marokko und der Stadt Bremen aufgenommen.
Unter der Herrschaft des Sultans Alouite Moulay Soulaiman wurde 1802 der
erste Handelsvertrag mit der hanseatischen Stadt Hamburg für die Regelung
der Schifffahrt vor den marokkanischen Küsten abgeschlossen. Ein ähnlicher
Vertrag wurde einige Jahre später mit der Stadt Lübeck unterschrieben.
Während des XIX. Jahrhunderts trugen einige Reise- und
Forschungsexpeditionen dazu bei, Marokko den hanseatischen Staaten bekannt
zu machen. Beispiel ist die Expedition, die August Petermann vom Institut
„Justus Perthes von Gotha“ 1854 unternommen hat, und die Expedition des
Arztes, Gerhard Rohlfs, aus Bremen, der 1873 „Mein ersten Aufenthalt in
Marokko“ veröffentlicht hat.
Dieses Interesse der akademischen Kreise wurde auf die wirtschaftlichen und
politischen Bereiche in Deutschland erweitert, die die Notwendigkeit der
diplomatischen Vertretung in Marokko erkannt hatten.
So beschloss der Kanzler Bismarck, der sich der politischen und
strategischen Bedeutung Marokkos bewusst war, 1872 die Gründung einer
Legation beim Cherifischen Hof mit der Ernennung von Gülich zum
gebietsansässigen Minister der Stadt Tanger. Dieser Diplomat stattete dem
Sultan Moulay El Hassan am 7. Mai 1877 einen Höflichkeitsbesuch in Fès ab.
Bestrebt, die Freundschaftsbeziehungen mit Deutschland zu verstärken,
entsandte der Sultan Moulay El Hassan am 23. Mai 1878 eine Botschaft an
Kaiser Wilhelm I., die vom Kaid von Safi Taibi Benhima geleitet wurde.
Eine zweite Botschaft, die vom Gouverneur der Chaouia Abdeslam Ben Rachid
Lahrizi geleitet wurde, wurde am 6. Februar 1889 vom Kaiser Wilhelm II. in
Bremerhaven empfangen.
Diese Botschaft hat sich am 17. Februar nach Essen begeben, wo sie die
„KRUPP“-Waffenfabriken besichtigt hat.
Als Reaktion auf das Interesse der marokkanischen Gesandten beschloss Kaiser
Wilhelm II. im gleichen Jahr, Tattenbach zum neuen gebietsansässigen
Minister Deutschlands in Tanger zu ernennen.
Dieser Diplomat spielte eine bedeutende Rolle bei der Verstärkung der
Beziehungen zwischen beiden Ländern und zwar indem er den ersten
deutsch-marokkanischen Handelsvertrag, der am 1. Juni 1890 in Fès
unterschrieben wurde, aushandelte.
Am Ende der Mission von Tattenbach wurde er durch Schenck ersetzt, der am
29. April 1898 offiziell von Sultan Moulay Abdelaziz in Marrakesch empfangen
wurde.
Darüber hinaus brachten die Umtriebe der französischen Armee an den
Ostgrenzen Marokkos Sultan Moulay Abdelaziz dazu, den Beistand Deutschlands
zu ersuchen und am 7. Juli 1900 eine Botschaft, die von
Mehdi El Mnebhi geleitet wurde, zu entsenden. Diese wurde vom
Hamburger Senat, vom Kaiser und von
der Kaiserin in Potsdam empfangen.
Im Rahmen dieses diplomatischen Austausches stattete Kaiser Wilhelm II. am
31. Mai 1905 Tanger seinen berühmten Besuch ab.
Kurz nach der Unabhängigkeit Marokkos wurden die bilateralen diplomatischen
Beziehungen wieder eingeführt. So wurde von Deresch 1957 zum Botschafter bei
seiner Majestät, König Mohammed V., ernannt.
Diese Beziehungen wurden zweimal durch die offiziellen Besuche seiner
Majestät, Königs Hassan II., in Deutschland und 1966 des Präsidenten der
Bundesrepublik Lübke in Marokko bestätigt.