Ausstellung im Kulturraum der Botschaft

14. September 2006 bis 13. October 2006

Karin Christen
Le Mariage
 

 

Bei meiner ersten Wüstenreise habe ich zum ersten Mal das Wort „heiraten“ begriffen. Verstanden, was es heißt zu heiraten. Dieser Akt eine Verbindung einzugehen, sich zu vereinigen. Mit der Wüste bin ich dieser Verbindung eingegangen.

 Auf meinen nächsten Reisen lernte ich das Leben der Nomaden kennen, erfuhr viel über die Hochzeit, das Ritual, die Musik, den Tanz zwischen Männern und Frauen, das Bemalen der Hände und Füße mit Henna und die hierbei verwendeten Symbole. Inspiriert durch diese Erfahrungen entstand ein Brautkleid. Mein Brautkleid.

 In dem Brautkleid kommen zwei unterschiedliche Materialien zusammen und verbinden sich: Wolle und Seide. Zart und archaisch, mit Symbolen der Fruchtbarkeit und den Farben weiß/orange-pink, oben leicht wie die Luft unten schwer gewurzelt in der Erde.

 Die Brücke zwischen hier und dort entsteht durch die Anwesenheit in der Abwesenheit. Hier ist das Brautkleid zu sehen, das in der Wüste entstand, ohne Braut. Das Foto hier zeigt die Braut im Brautkleid, aufgenommen in einem Berliner Fotostudio. In Marokko ist es üblich, sich in einem solchen Rahmen bei der Hochzeit fotografieren zu lassen.

 Die Muster der marokkanischen Teppiche erzählen Geschichten. Später erzählen die Menschen auf den Teppichen sitzend ihre Geschichten. Wie einzelne Pinselstriche auf der Leinwand entsteht bei mir mit jeder Lage der Wolle und mit jeder Farbe die Geschichte des Teppichs.

 

Karin Christen ist seit 1998 in Berlin künstlerisch tätig. Nach ihrer Ausbildung an der Gerriet Rietveld Akademie in Amsterdam, dem Abschluss der Meisterklasse an der Rijksakademie  in Amsterdam und zahlreichen Ausstellungen hat die Künstlerin in Berlin-Friedrichshain mit ihrem Konzept in leeren Ladenräumen begonnen.

 contact : info@wunschlandschaften.de